Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. (Johannes 10,10)
Vor vier Wochen waren wir im Kino. Eine kleine Auszeit vom Umzugs-Marathon und der Hitze. In einem gut gekühlten Kinosaal lagen wir in bequemen Kinosesseln und schauten einer Herde Schafe dabei zu, wie sie den Mord an ihrem Schäfer aufklärten. Dieser Schäfer, George Hardy, ist wohl das, was Jesus als einen guten Hirten bezeichnen würde. Er sorgt sich liebevoll und mit ganzem Einsatz um das Wohl seiner Schafe. Alle bekommen von ihm einen Namen, alle werden gut versorgt und gepflegt und abends liest er ihnen vor. Meistens sind es Kriminalgeschichten. Seine Schafe hören auf seine Stimme und gehorchen ihm, wenn er sie ruft, und er liebt sie alle mit ihren Eigenheiten und Marotten. Mit ihm führen sie ein erfülltes Schafsleben.
Dass es auch andere Schäfer gibt, denen nicht so sehr am Wohl ihrer Schafe gelegen ist, sondern eher an dem Profit, den sie mit ihnen machen können indem sie nicht nur ihre Wolle, sondern auch ihr Fleisch verkaufen, das erfahren die Schafe von George Hardy nach dessen Ableben. Der Nachbarschäfer ist nämlich einer von dieser Sorte.
Beim Nachdenken über den Vers aus dem Johannesevangelium, der über dem Monat August steht, fiel mir jedenfalls George Hardy ein. Ein Schäfer, der nur das Beste für seine Schafe will. Und Jesus, der im Bild des Hirten über uns als seine Schafe spricht, die er beim Namen ruft und wir hören auf ihn und folgen ihm nach. Er, der uns ein Leben in Fülle schenken möchte und damit kein Leben in Saus und Braus meint, sondern ein erfülltes Leben. Eins, das uns Sinn entdecken lässt in unserem Sein. Eins, das uns mit Liebe erfüllt. Eins, das uns dankbar sein lässt für all das Gute. Und uns an den schlechten Tagen von Jesus getragen weiß. Eins, das zu Jesus hin und mit ihm zu den anderen führt. Um das pralle Leben in all seiner Fülle und seinem Mangel miteinander zu teilen und füreinander da zu sein. Ein Leben, das über unsere Lebensspanne hier hinaus in die Ewigkeit weist, in Gottes ungetrübte Gegenwart.
Ich will mein erfülltes Leben gerne teilen und versuche aufmerksam zu sein für meine Mitmenschen. Ein offenes Ohr, eine helfende Hand, ein Gebet, verschenkte Möbel und Kleidung, ein bezahlter Einkauf, … Die Möglichkeiten sind vielfältig wie die Menschen und Situationen.
Wie wäre es, wenn wir uns vornehmen in diesem August unser erfülltes Leben bewusst mit anderen zu teilen. Da können erfüllende Begegnungen entstehen. Auf beiden Seiten. Also: Augen, Ohren, Herzen und Hände auf.
Ach ja, natürlich geht die Geschichte um George Hardys Schafherde am Ende gut aus und es stellt sich heraus, dass auf ihrer Weide Platz für noch mehr Schafe ist. Aber ich will nicht zu viel verraten. Vielleicht will ja die eine oder der andere noch den Film anschauen. (Filmtipp: „Glennkill: Ein Schafskrimi“)
Ich wünsche allen erholsame und gesegnete Sommerwochen und erfüllende Begegnungen!
Pastorin Elisabeth Denkers
Christuskirche Großhansdorf