Angedacht Februar 2026

Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat. (5.Mose 26,11)

In der Schule lernt unser Sohn gerade, was Aufforderungssätze sind und mit welchem Satzzeichen sie enden. Für eine Hausaufgabe überlegt er, welche Sätze in Frage kommen könnten. „Räum dein Zimmer auf!“, schlage ich vor. Entsetzt schaut er mich an. Ich lache und sage: „Das ist ein Beispielsatz für deine Hausaufgabe!“ Erleichterung zeichnet sich in seinem Gesicht ab. Aber aufschreiben will er den Satz trotzdem nicht. Lieber etwas, das mit Flatulenzen zu tun hat. Das ist viel lustiger, findet er.

Nicht gerade entsetzt, aber mit deutlichem Unwillen lese ich: „Du sollst fröhlich sein.“ Was für eine Aufforderung! Geht das überhaupt? Kann man jemanden zum fröhlich sein auffordern? Ich lese erstmal genauer nach, was in Kapitel 26 im 5. Buch Mose los ist, und merke schnell: Hier geht es um Handlungsanweisungen für die Zeit, wenn das herumwandernde Volk Israel endlich Heimat gefunden hat und die erste Ernte einfährt.

Ich war nie heimatlos oder hungrig. Aus Gesprächen mit Menschen, die während des zweiten Weltkriegs auf der Flucht waren und jenen, die vor allem in den letzten 10 Jahren gefährliche Wege auf sich genommen haben, um eine Zukunft zu haben in einem Land, in dem Frieden herrscht, weiß ich, wie herausfordernd diese Lebensphasen waren. Kaum vorstellbar, mit welcher Dankbarkeit ein Herz sich füllt, wenn endlich ein Zuhause errichtet und etwas zu Essen auf dem Tisch ist. Die Aufforderung, sich darüber zu freuen, und über all dass Gute, das darüber hinaus ebenso da ist, klingt da eher wie eine Erinnerung.

Eine Erinnerung an Freude über alles Gute, das da ist, tut durchaus manchmal Not. Wie schnell vergesse ich das, weil das Gute zum Alltäglichen wird oder sogar zum Ärgernis. Was ich damit meine? Ein Text von Stefan Rehm hat mich da schon vor Jahren überführt.

Ich bin dankbar

… für die Steuern, die ich zahle, weil das bedeutet: Ich habe Arbeit und Einkommen.

… für die Hose, die ein bisschen zu eng sitzt, weil das bedeutet: Ich habe genug zu essen.

…für das Durcheinander nach der Feier, das ich aufräumen muss, weil das bedeutet: Ich war von lieben Menschen umgeben.

… für den Rasen, der gemäht, die Fenster, die geputzt werden müssen, weil das bedeutet: Ich habe ein Zuhause.

… für die laut geäußerten Beschwerden über die Regierung, weil das bedeutet: Wir leben in einem freien Land und haben das Recht auf freie Meinungsäußerung.

… für die Parklücke, ganz hinten in der äußersten Ecke des Parkplatzes, weil das bedeutet: Ich kann mir ein Auto leisten.

… für die Frau in der Gemeinde, die hinter mir sitzt und falsch singt, weil das bedeutet, dass ich gut hören kann.

… für die Wäsche und den Bügelberg, weil das bedeutet, dass ich genug Kleidung habe.

… für die Müdigkeit und die schmerzenden Muskeln am Ende des Tages, weil das bedeutet: Ich bin fähig, hart zu arbeiten.

… für den Wecker, der morgens klingelt, weil das bedeutet: Mir wird ein neuer Tag geschenkt.

Mich über all das Gute zu freuen und dankbar zu sein, dafür brauche ich wohl hin und wieder eine Erinnerung oder auch eine Aufforderung. Dass mein Sohn aufräumen soll, und zwar nicht nur als Schreibübung für die Hausaufgaben, sondern tatsächlich, wird ihn vielleicht fröhlicher stimmen, wenn ich ihm sage, dass er froh sein kann, so viel Spielzeug zu haben. (Vermutlich nicht.) Mir hilft der Gedanke aber, um Freude in mir zu entdecken über das viele Gute, das in meinem Leben ist – auch wenn manches lästig ist, Kraft und Zeit kostet und mich ermüdet. Ich will fröhlich sein und mich freuen. Und mit meinem Sohn zusammen sein Zimmer aufräumen. Vielleicht haben wir dabei sogar Spaß miteinander.

Pastorin Elisabeth Denkers

Christuskirche Großhansdorf