Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!
Offenbarung 21,5 (Jahreslosung 2026)
Es gibt Worte, die fordern mich heraus, provozieren meinen Widerwillen und lassen mich Atem holen, um zu protestieren. Immer ist so ein Kandidat. Oder Nie. Und auch Alles gehört dazu.In den letzten beiden Jahren ging es bei den Jahreslosungen um Alles. „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“ (2024) „Prüft alles und behaltet das Gute.“ (2025) Nun gesellt sich das dritte Alles dazu. Diesmal jedoch ohne Erwartungen an mich oder uns. Es ist nicht unser Tun und Lassen, das auf dem Prüfstand steht, sondern Gott, der sich verpflichtet. Wenigstens etwas.
Und dennoch will ich protestieren, denn auch wenn ich mir eine bessere Welt von Herzen wünsche, so muss nicht gleich alles neu werden, denn nicht alles ist für mich schlecht. So sehr ich mich von Jahr zu Jahr aufgrund der Nachrichten und Entwicklungen der Welt im Großen und Kleinen mehr danach sehne, dass endlich Veränderung hin zum Guten geschehen möge, so gibt es doch auch vieles, dass für mich schon jetzt gut und schön ist. Kaffee am Morgen zum Beispiel. Die Hand meines Sohnes in meiner, wenn ich ihn zur Schule bringe. Das Eintauchen in die Welt von J.R.R. Tolkien mit meinen Töchtern abends auf dem Sofa. Der morgendliche Kuss meines Mannes, bevor er aus dem Haus geht. Schmetterlinge in unserem Garten. Das Rauschen des Meeres. Sonnenauf- und -untergänge. Die Stille des Waldes. Klirrend kalte, sternklare Nächte. Und Seifenblasen, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Für mich muss es nicht alles sein, das neu werden soll.
Der Liste Gottes jedoch kann ich mich sehr gut anschließen: Gott bei den Menschen und endlich Schluss mit Tränen, Tod, Trauer, Klage und Schmerz. Das klingt verlockend. Das alles darf gerne neu werden. Noch viel gerner (ja, das gibt es nicht, aber warum nicht auch neue Worte erfinden?) darf es heute neu werden, wenn ihr mich fragt. Da würde der Kaffee am Morgen noch viel besser schmecken und der ganze Rest meiner was-jetzt-schon-schön-ist-Liste wäre noch schöner. Bei dem Gedanken gerate ich direkt ins Träumen und in mir erklingt ein Lied von Peter Strauch, dass ich vor 30 Jahren im Chor gesungen habe. Im Refrain heißt es: „Wir werden sein wie die Träumenden, die noch nicht fassen was sie sehn. Wir werden lachen und glücklich sein, wenn wir vor Jesus stehn.“ Wie ein Traum, so fühlt sich die Beschreibung des Johannes von Gottes neuer Welt an. Unfassbar, von heute aus betrachtet (und auch damals, als er die Worte aufgeschrieben hat), denn noch ist es nicht so weit. Unsere Wirklichkeit ist denkbar weit von Gottes neuer Welt entfernt. Noch warten wir auf diese neue Welt und wer weiß schon, wie lange wir noch warten müssen?!
Doch deswegen alle Hoffnung in den Wind schreiben und aufgeben? Das kommt für mich nicht in Frage! Schon allein meiner Kinder wegen nicht. Denn auch wenn die neue Welt Gottes auf sich warten lässt, so trage ich die Gewissheit in mir, dass schon jetzt sein Reich anbricht. Schon jetzt blitzt die neue Welt hier und da auf. An Orten, an denen Gerechtigkeit gelebt wird. Überall da, wo bedingungslose Liebe einen willkommen heißt. Ich will im Rahmen meiner Möglichkeiten aktiv dazu beitragen, dass das Reich Gottes sichtbar wird und manches sich schon jetzt zum Guten hin verändert, für meine Kinder und alle Menschen und die ganze Schöpfung. So nehme ich die Jahreslosung für das neue Jahr als Ansporn und Wind in meinen Segeln. Gott wird alles neu machen und heute fangen wir gemeinsam an. Wir gestalten diese Welt mit, hoffen und beten und tun das unsere, um Tränen zu trocknen, beim Sterben zu begleiten, Trauer zu teilen, miteinander zu klagen und im Schmerz beieinander zu bleiben. Wir antworten auf die Liebe Gottes mit unserer tätigen Liebe, wie uns der Monatsspruch im Januar erinnert:
Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. (5.Mose 6,5)
Im neuen Jahr will ich mich bewusst nach der neuen Welt Gottes umschauen, hinsehen und daran mitwirken. Ich will das Gute, das schon jetzt da ist, mehr wahrnehmen und genießen und teilen und die Hoffnung hochhalten, dass Gott Erneuerung schenkt, schon jetzt, jeden Tag aufs Neue und eines Tages vollkommen. Ich will das Schwere und Schmerzliche teilen, aushalten, dableiben und trösten, so gut es mir möglich ist. Und eines Tages, da werden wir wie die Träumenden sein und kaum fassen, was wir sehen. Da wird Gott alles neu machen!
Pastorin Elisabeth Denkers
Christuskirche Großhansdorf
Du sollst nicht müde werden (Wir werden sein wie die Träumenden)
Text & Melodie: Peter Strauch (1983)
1 Du sollst nicht müde werden, selbst wenn das Licht auf Erden allmählich zu verlöschen scheint. Denn über Hass und Kriegen wird Gottes Zukunft siegen, und wenn sein großer Tag erscheint.
Ref. Wir werden sein wie die Träumenden, die noch nicht fassen, was sie sehn. Wir werden lachen und glücklich sein, wenn wir vor Jesus stehn.
2 Willst du den Mut verlieren? Willst du schon resignieren, weil es nichts mehr zu hoffen gibt? Du sollst nicht sinnlos enden, Gott will dein Leben wenden, weil er dich ja unendlich liebt.
3 Drum lass die Traurigkeiten, lass dich zur Freude leiten. Bald wirst du sehn: Das Fest beginnt. Auch du bist eingeladen; dann heilt Gott allen Schaden. Ein neues Lied wird angestimmt.