Angedacht Mai 2026

Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele. (Hebräer 6,19)

„Mama, meinst du ich kann auf den Anker klettern?“ Vor dem Ferienhaus nebenan liegt ein beeindruckend großer Anker zu Dekorationszwecken und unser Jüngster steht staunend davor. „Versuchs doch mal“, ermutige ich ihn und er klettert los. Nach einer Weile springt er vom Anker runter und während wir Richtung Strand weitergehen, überlegen wir, wie groß das Schiff wohl war, dass diesen Anker benötigt hat. „Wozu braucht ein Schiff einen Anker?“, fragt mein Sohn. Wir sprechen über festen Halt und Sicherheit und als er auf einer Mauer balancieren will und nach meiner Hand greift, werde ich ganz praktisch zu seinem Anker.

Dass die Hoffnung ein Anker für unsere Seele ist, uns Sicherheit und festen Halt bietet, scheint mir eine Erinnerung zur rechten Zeit zu sein. Geht es um uns herum doch immer wieder und auch jetzt hoch her und ist recht stürmisch, hält uns die Hoffnung sicher und fest. Theoretisch zumindest. Ich gebe ehrlich zu, es gibt etliche Momente, in denen verliere ich die Hoffnung aus den Augen. Dann sind das Chaos um mich herum, die Sorgen und Nöte, die Unsicherheiten und der Lärmder Welt so überwältigend, dass die Ankerkette zu reißen droht. Wenn sich düstere Situationen nicht ändern, eine Hiobsbotschaft die nächste jagt und kein Ende in Sicht scheint, da geht mir die Hoffnung schon mal flöten…  Die Hoffnung worauf eigentlich?

Der Verfasser des Hebräerbriefes, aus dem der Monatsspruch stammt, spricht in den Versen vorher von Gottes Zuverlässigkeit und Treue. Die Leserschaft wird daran erinnert, dass Abraham das Versprechen bekommen hat, gesegnet zu werden und zahlreiche Nachkommen zu bekommen. Gott hat Wortgehalten, erinnert uns der Verfasser. Und ich ergänze: Wenn auch anders, als Abraham es sich wohl für sich selbst vorgestellt hat. Und nun werden wir eingeladen unsere Hoffnung in Gott zu setzen, denn er hält auch heute noch Wort. Und ja, manchmal anders, als wir es uns vorgestellen.

Wir verankern uns bei Gott selbst, in seiner ewigen Gegenwart. Wir hoffen auf Veränderung zum Guten hin, auf Gnade vor Recht und auf eine Zukunft, in der alles neu und unfassbar gut sein wird. Das Fantastische an dieser Hoffnung ist, dass sie nicht von mir oder dir abhängt. Sie ist verankert in Gott und der ist zuverlässig und treu, ob ich das gerade sehen kann oder nicht. Also strecke ich meine Hand nach ihm aus und hoffe auf Halt in stürmischer See genauso, wie in ruhiger Nacht. Und wenn mir die Hoffnung mal wieder aus dem Blick gerät, weil alles drunter und drüber geht, dann hoffen andere für mich, so wie ich für andere die Hoffnung hochhalte, wenn sie sie für sich selbst nicht finden können.

Mein Sohn erreicht das Ende der Mauer. „Mama, fängst du mich auf, wenn ich springe?“ „Ja“, sage ich und öffne meine Arme. Voller Freude und Vertrauen hebt er ab und ich fange ihn auf, denn auch ich halte mein Wort. Wir bei sind gut verankert und gehalten. Gott sei Dank!

Pastorin Elisabeth Denkers

Christuskirche Großhansdorf