„Und? Wie wars?“ – 2. Kursblock Seelsorge & Beratung

„Ich bin ich – und du bist du“ – „ Ach, was du nicht sagst?!“ – Es klingt ziemlich banal. Doch bei näherem Hinsehen überlege ich: Will ich meine Gesprächspartner nicht manchmal doch in meine eigenen Wünsche drängen? Will ich ein anderes Gemeindemitglied im Gespräch so überzeugen, dass es genauso denkt wie ich? Lass ich mich von anderen Menschen einspannen, weil sie denken ich müsste etwas tun oder lassen, was ich eigentlich gar nicht will? Und schon sind wir mitten in den spannenden Überlegungen, die wir in den Theorieeinheiten des Grundkurses Seelsorge und Beratung geführt haben.

Der Kurs, mit 20 Teilnehmenden aus unterschiedlichen Gemeinden der Bünde der EFG und FEG, umfasst neben diesen Theorieeinheiten Selbsterfahrungen in der Gruppe, Körpererfahrungsübungen sowie Besprechungen von Gesprächsprotokollen und Predigten. Zwischen den Kursblöcken vertiefen wir die Thematik mithilfe von vorgegebener Literatur und durch Treffen in Regionalgruppen.

Ich möchte gerne exemplarisch einen Einblick geben, wie zwei dieser Elemente mich ganz persönlich beeinflussen und mir gut tun.

Zum zweiten Kursblock kamen wir alle aus unterschiedlichen Situationen. Viele von uns kamen aus dem stressigen Alltag. Während die meisten Kursteilnehmenden mit ihrem Berufsalltag beschäftigt waren, stellt mich meine Elternzeit mit meiner kleinen Tochter vor andere Herausforderungen: Zeit für mich?! Zeit um mich mit meinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, meine Grenzen und Wünsche zu spüren? So etwas gibt momentan eher wenig. Und dann kam der Seelsorgekurs.

Mit den Körpererfahrungen, bei denen es darum geht sich mit seinem Körper auf ein Angebot einzulassen, z.B. das Erspüren eines Stachels einer Kastanie. Damit verbunden stellten wir uns die Frage: Was macht das mit meinem Körper? Spüre ich den Stachel beim Laufen oder beim Stehen? Auf diese Weise Kontakt mit mir selbst aufzunehmen und mich wahrzunehmen tut mir gut, weil ich im Alltag oft vergesse auf die Stimme meines Körpers zu hören. Damit verbunden ist häufig, dass ich auch die Stimme Gottes aus dem Blick verliere. Auch in Seelsorgegesprächen bin ich manchmal so sehr bei meinem Gegenüber und empfinde mit, sodass ich die Wahrnehmung dessen, was bei mir selbst passiert, ganz unbewusst ausschalte. Deshalb sind diese Übungen sehr wertvoll.

Am Anfang des ersten Kursblocks konnten wir uns alle wenig unter den Selbsterfahrungsgruppen vorstellen. Wir sind in eine Gruppe von je 10 Teilnehmenden und 2 Kursleitenden eingeteilt. Die Zeit der Selbsterfahrung füllt die Gruppe selbst, indem einzelne Teilnehmende Themen einbringen, die ihnen wichtig sind. Für mich ist das sehr eindrucksvoll. Wir haben einen sehr wertschätzenden Umgang in unserer Gruppe und von Beginn an wurden sehr persönliche Themen eingebracht. Die Gruppe stellt Rückfragen an die Person, gibt einen Rat, stellt Vermutungen an, konfrontiert oder spiegelt, wie die Person auf eine andere Person wirkt. Es wird also all das gemacht, was auch in der Seelsorge passiert. Zu sehen, wie heilsam und weiterführend das für eine andere Person ist und selbst zu spüren, wie sehr einem die Gruppe helfen kann, selbst einen Weg zu finden, ist für mich ein sehr praxisnaher Lernprozess. Ich profitiere daraus für mich persönlich und meinen Reifungsprozess und erhalte viele Anregungen für den Umgang mit Gruppenprozessen und für die Gesprächsführung in Seelsorgegesprächen.

Vielleicht habe ich den einen oder anderen mit diesen Eindrücken neugierig gemacht auch mehr über diese Elemente oder die weiteren Elemente unseres Grundkurses zu erfahren. Ich kann ihn nur weiterempfehlen. Er stößt wertvolle Prozesse für mich und meine Beziehungen an.

Weitere Informationen zum Grundkurs Seelsorge & Beratung gibt es hier